Spinnenregen: der blanke Horror im Süden Australiens

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Spinnenregen, der wahrgewordene Albtraum versetzte ganz Goulburn am 04. Mai 2015 in Angst und Schrecken. In der australischen Kleinstadt im Bundesstaat New South Wales regnete es plötzlich Spinnen vom Himmel! Kurz darauf war Goulburn kaum noch unter den schleimigen Spinnennetzen auszumachen, die die ganze Stadt bedeckten.

04. Mai 2015, Goulburn: Horror auf acht Beinen

Die australische Zeitung „The Sydney Morning Herald“ berichtete als erstes Medium vom Spinnenregen in Goulburn. Spinnennetze sollen die Kleinstadt völlig bedeckt haben. Augenzeugen beschrieben den Spinnenregen als regelrechte Spinnen-Invasion. Unzählbar viele, kleine und große, aber vor allem eklige Spinnen fielen vom Himmel und bedeckten die ganze Stadt. Sie wuselten überall herum und ummantelten alles mit ihren Spinnennetzen. Jedes Haus, jeder Baum und jedes Auto wurde mit den schleimigen Spinnennetzen umhüllt.

Grausige Vorstellung! Was ist aber mit den Menschen, die sich in der Tat vor Spinnen fürchten? Menschen, die eine krankhafte Angst vor Spinnen haben, nennt man Arachnophobiker. Der Fachbegriff setzt sich aus den griechischen Wörtern aráchnē und phóbos zusammen. Aráchnē bezeichnet hierbei die Spinne und phóbos die Phobie, also eine krankhafte Furcht.

Zwischen 3,5 und 6,1 der Bevölkerung leidet an einer Arachnophobie, die umgangssprachlich oft auch Spinnenphobie genannt wird.

Augenzeuge Ian Watson: „Draußen war alles mit Spinnweben überzogen“

Der 41-jährige Bauer Ian Watson wurde Augenzeuge des Horror-Ereignisses in Goulburn. Im Interview mit dem Spiegel berichtete er von den tausenden Spinnen, die plötzlich seinen Hof und sein Haus umgaben. Er erklärte, dass ihn wilde Tiere nicht mehr schockieren würden, da er von Kängurus bis hin zu Schlagen schon alles gesehen hatte, am 4. Mai 2015 jedoch, blieb auch ihm die Spucke weg.

Er war gerade dabei die Wäsche seiner vier Kinder aufzuhängen und erfreute sich an der Sonne nach wochenlangem Dauerregen. Doch die Schönheit des Wetters war nur von kurzer Dauer. Plötzlich fielen tausende von Spinnen vom Himmel und bedeckten alles, was er sah. Sein 500 Hektar großes Areal war voller Spinnen. Auch die Bäume und die Autos blieben nicht verschont. Die Spinnen schwebten in der Luft und sahen aus als hätten sie einen Fallschirm auf Spinnfäden im Gepäck, so Watson.

Auch Watson fielen die Spinnen an und krallten sich sogar in seinem Bart fest. Dieser versuchte sich loszureißen um nach drinnen zu gehen, um zu recherchieren, was er gerade erlebt hatte.

Viele Australier nennen die Spinnweben-Teppiche "Engelshaar". Vor allem die Menschen aus Wagga Wagga oder auch Soulburn kennen das schaurige Phänomen nur zu gut. ( Lizenzdoku: Shutterstock-Alexander Sviridov)

Viele Australier nennen die Spinnweben-Teppiche „Engelshaar“. Vor allem die Menschen aus Wagga Wagga oder auch Soulburn kennen das schaurige Phänomen nur zu gut. ( Lizenzdoku: Shutterstock-Alexander Sviridov)

Video: auch in Brasilien regnet es Spinnen

Im folgenden Video sind Bilder vom Spinnenregen in Brasilien zu sehen.

Video: Regen von Spinnen (Brasilien)

Wagga Wagga, 2012: Spinnenplage in Australien

Schon 2012 wurde die australische Stadt Wagga Wagga stark von einer Spinnen-Invasion getroffen. Die Einwohner der am Murrumbidgee River gelegenen Stadt werden tatsächlich öfter Opfer einer solchen Invasion als ihnen liebt ist.

Auch die fünftgrößte Stadt Australiens Adelaide sowie der Hauptort Riverina werden des Öfteren von Spinnenplagen heimgesucht. Wenn es Spinnen regnet, sind die Städte kurz darauf kaum noch zu erkennen. Die vielen Spinnen bedecken mit ihren Spinnweben dann die ganze Stadt und lassen keinen freien Fleck übrig.

Wann regnet es Spinnen?

Spinnenregen kommt in Australien durchaus öfter vor, sehr zum Leidwesen der Einwohner. Vor allem im australischen Sommer ist das Phänomen mehrfach mitanzusehen. Die nach dem Spinnenregen zurückbleibenden weißen Spinnweben-Teppiche nennen viele Australier auch „Engelshaar“.

Spinnenregen: was ist das?

Spinnenregen ist ein Naturphänomen, das mehrere Ursachen hat. Zum einen ist Spinnenregen dem Hochwasser geschuldet, zum anderem dem Wind.

Die Spinnen versuchen vor dem Hochwasser zu fliehen und sich und ihre Brut bestmöglich vor den Fluten und dem Ertrinken zu schützen. Also klettern sie auf sehr hohe Bäume und nisten sich dort ein. Schlüpft die Brut aber, möchten die Jungspinnen den Baum verlassen und springen von den Bäumen. Dabei benutzen sie ihre Spinnennetze als Fallschirm.

Dieses Naturphänomen wird in der Wissenschaft als „Ballooning“ beschrieben. Wenn sie dann von einem starken Windstoß erwischt werden, trägt der Wind sie teilweise über mehrere tausend Kilometer durch die Luft. Wird die Windstärke wieder geringer, fallen die Spinnen wieder zu Boden, was dann aussieht als würde es wahrhaftig Spinnen regnen.

Die Spinnen, die Bauer Ian Watson beobachtete und die ihn schließlich ansprangen waren Wolfsspinnen. Diese sind in aller Regel weder gefährlich, noch sonderlich giftig. Ihr Gift kann bei Menschen höchstens leichte Kopfschmerzen verursachen.

Es ist vor allem bei Wolfsspinnen zu beobachten, dass sie sich bei Regenfällen zusammenschließen und gemeinsam fliehen. Das tun sie vor allem deshalb, weil Regen einer ihrer größten Feinde in der Natur darstellt.

Im Gegensatz zu den Wolfspinnen sind die Redback Spider sehr gefährlich. Hingegen der meisten Spinnen sind sie sehr giftig. Trotzdem kann so ein Spinnenregen angsterregend sein. ( Lizenzdoku: Shutterstock-  Peter Yeeles )

Im Gegensatz zu den Wolfspinnen sind die Redback Spider sehr gefährlich. Hingegen der meisten Spinnen sind sie sehr giftig. Trotzdem kann so ein Spinnenregen angsterregend sein. ( Lizenzdoku: Shutterstock- Peter Yeeles )

Wann regnet es in Australien Spinnen?

Pünktlich zu Spinnensaison kann man in Australien mit Spinnenregen rechnen. Die Spinnensaison beginnt im australischen Frühjahr und dauert bis zum Sommer an. Das bedeutet die Saison reicht von Oktober bis Februar. Wenn die Trockenphase über einen längeren Zeitraum anhält, verschiebt sich die Spinnensaison nach hinten und beginnt später als gewöhnlich.

Ein weniger erfreulicher Fakt ist, dass die Tiere sich oft in die Häuser der Menschen verirren, wenn ihre Netze vom Regen weggespült wurden.

Größe der Huntsman-Spinne

Die Huntsman-Spinne ist die größte Spinne der Welt. Sie wird bis zu 20 Zentimeter groß und hat eine Beinspannweite von 40 Zentimetern. Ihre gigantische und furchterregende Größe lässt sie dabei allerdings gefährlicher wirken als sie tatsächlich ist. Von der Huntsman-Spinne geht nämlich keine Gefahr aus, da sie weder giftig noch aggressiv ist. Angst hat man wohl dennoch, wenn solch eine riesige Spinne in unsere Richtung läuft.

Wie ihr Name schon verrät sind sie Jäger („Huntsman“, zu Deutsch Jäger). Ihre Beute sind vor allem Insekten. Wegen ihrer Größe fallen ihr aber auch öfter kleiner Säugetiere wie Mäuse zum Opfer.

Gibt es in Australien viele Spinnen?

In Australien leben schätzungsweise 10.000 verschiedene Spinnenarten. Allerdings sind davon nur circa 2.700 offiziell benannt. Man geht aber davon aus, dass die meisten von ihnen nicht gefährlich für uns Menschen und daher harmlos sind.

Zwei Gruppen sind jedoch in der Tat sehr gefährlich. Erstens sind die drei Untergruppen der Funnel-web-spiders sehr giftig. Zweitens sollte man auch die Radback-Spiders tunlichst meiden. Auch die Mouse Spiders sind keine besonders beliebten Weggefährten.

Die Funnel-web-spiders leben ausschließlich in Australien und gehören wissenschaftlich betrachtet zur Familie der Atracidae. Die Familie der Atracidae hat drei Gattungen. Insbesondere die Gattungen Hadronyche und die Atrax listen die gefährlichsten Spinnen für Menschen. Das Gift dieser Spinnen gilt als hochtoxisch für den Menschen. Säugetieren wie Katzen oder Hunden wiederum schadet es kaum bis gar nicht.

Die Atrax robustus ist die gefährliche Spinnenart. Sie wird auch Sydney-funnel-web-spider oder Sydney-Trichternetzspinne genannt, weil die im Umkreis von 100 Kilometern um Sydney wohnt und lebt. Obwohl sie mit zwei bis Zentimeter sehr klein ist, ist sie sehr zu fürchten, denn ihr Gift ist hochgiftig. Es ist sogar wissenschaftliche belegt, dass das Gift des Männchen fünfmal giftiger einzustufen ist als das Gift des Weibchens.

Im Frühling und im Sommer geht das Spinnen-Männchen auf Brautsuche und krabbelt nachts aus seinem Schutzraum hinaus, um sich auf die Suche zu begeben. Und das sehr zum Schrecken der Bewohner Sydneys. Nicht selten begegnen die Bewohner dann einer Atrax robustus im eigenen Haus. Diese Spinnenart gilt als besonders standfest und robust, weil sie sogar bei (Hoch-)Wasser viele Stunden überlebt.

Auf das Konto der Atrax robustus gehen 13 Menschenleben, die offiziell registriert sind. Die Dunkelziffer liegt vermeintlich höher. Glücklicherweise gibt es sein dem Jahre 1980 ein Gegengift, das schon vielen das Leben gerettet hat. Da es im Jahr zu etwa 30 bis 40 Bissen durch die Sydney-Trichterspinne kommt, ist das Gegengift gewiss ein Segen.

2021: Jahrhunderthochwasser löst Spinnen-Invasion aus

Entlang der australischen Ostküste kam es dieses Jahr zu Überschwemmungen. Daraufhin berichteten viele Australier, dass sie von einer Spinnenplage befallen waren. Die Naturkatastrophe wird schon jetzt als Jahrhunterhochwasser eingestuft, auch wenn die Schäden noch nicht in voller Gänze abzusehen sind.

Viele Tiere suchten während des Hochwassers Schutz, darunter auch Spinnen. Die Spinnen kamen in die Siedlungen der Menschen und lösten Angst und Schrecken aus. Vor allem für die Bewohner der Ostküste und Sydneys war es ein Graus so viele Spinnen überall zu sehen. Sie berichteten von Spinnen, die Laternenmasten, Zäune und Häuserwände hochkrabbelten.

Keine Plage: ein Zeichen eines gutfunktionierenden Ökosystems

Dieter Hochuli ist Ökologe an der Universität Sydney und sieht sie Spinnen-Invasion in keinster Weise als eine Plage an. Laut dem Ökologen sei dieses Phänomen vielmehr ein durchaus positives Zeichen seitens der Natur. Er erklärt weiter, dass die Spinnen nicht erst seit dem Hochwasser so präsent seien, sondern dass sie da waren, wenn auch versteckt. Aus diesen Gründen beurteilt der Ökologe die Spinnen-Invasion keines Wegs als Plage. Er formatiert es stattdessen als Naturphänomen, welches von einem intakten Ökosystem zeugt.

Die Ansichten der Biologin und Spinnenexpertin Lizzy Lowe liegen nicht fern derer Hochulis. Auch sie sieht die Flucht der Vielbeiner als eine legitime Naturreaktion der Tiere an, um sich vor den Fluten zu schützen. Sie setzt die Reaktion der Spinnen mit derer von Schafen und Hunden gleich, die ebenfalls vor dem Hochwasser geflohen sind.

Eine Anwohnerin berichtete dem australischen Nachrichtensender Australian Broadcasting Corporation (ABC) von ihrem Beobachtungen nach dem Hochwasser. Sie gibt an, dass sie Flutkatastrophe den Wasserpegel immer weiter aufstiegen ließ und sie beobachtet habe wie sich tausende Spinnen zu einem Spinnen-Knäul zusammenfanden. Diese Spinnen-Knäule sollen sich an Zäunen und Ähnlichem festgesetzt haben.

Video: Spinnen-Invasion nach Hochwasser-Katastrophe

In diesem Video sind Spinnennetz-Teppiche zu sehen, die nahezu das ganze Land bedecken. Folgende Bilder stammen aus Victoria, auch dort kommt es häufiger zu Spinnenplagen.

Video: SPINNENPLAGE AUSTRALIEN: Nach Hochwasser hüllen teils giftige Spinnen Australien in ihre Netze

Das größte Spinnennetz der ganzen Welt

Im Jahre 2016 gab es in Australien eine Spinnen-Flucht, genauer genommen auf der australischen Insel Tasmanien. Viele tausend Spinnen rettenden sich damals auf Bäume, um ihr Überleben zu sichern. Aus den Bäumen webten sie kleine Spinnennetze, herausgekommen ist ein riesiges. Das weltweit größte Spinnennetz war also das Ergebnis von Fluten und Überschwemmungen. Die Bilder des größten Spinnennetzes gingen damals um die ganze Welt.

Tasmanien wird auch gerne Tassie genannt. Bis Ende 1855 hieß sie Van-Diemens-Land. Sie liegt am östlichen Rand des Indischen Ozeans und 240 Kilometer südlich des australischen Festlands.

Über den Autor

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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